Die Spielezukunft: 85 Prozent der Haushalte haben eine Konsole im Wohnzimmer stehen, brandneue Vollpreistitel gehen für 10 Euro über den Ladentisch und sogar die sechsjährige Marie ist schon fleißig am zocken. Ihr Reiterhof floriert, den Pferden geht es gut. Sie pflegt und striegelt sie so liebevoll, als wären es echte. Als sie mit dem Schimmel ausreiten will, poppt ein Fenster auf: „Diese Inhalte machen eine zusätzliche Aktivierung erforderlich. In unserem Shop können Sie sie für 3,99 Euro aktivieren und herunterladen.“ Marie bestätigt. Ein Ladebalken erscheint, der sich schnell füllt. 20 Sekunden später sitzt sie auf dem weißen Ross und trabt Richtung Sonnenuntergang.
In den nächsten Tagen kauft Marie noch mehr neue Pferde. Außerdem Zaumzeug, Pferdedecken, einen größeren Stall, das Update „Reiterhof Deluxe“ mit zwei neuen Gebieten zum Ausreiten, ein Foto-Feature, um Bilder machen und speichern zu können und neue Reitklamotten für ihre Spielfigur. Ihre Eltern freuen sich, dass sie so viel Spaß mit dem Spiel hat. Bis am Ende des Monats die Rechnung ins Haus flattert.
Nebenan wohnt Tom. Der 18-Jährige ist leidenschaftlicher Online-Gamer, am liebsten spielt er Actiontitel. Seit die Entwickler aber jeden Monat ein Update herausbringen, ärgert er sich mehr über sein Hobby, als dass er es genießt. Natürlich freut er sich über die neuen Waffen und neuen Maps. Aber nicht nur, dass er dafür jedes Mal bezahlen muss. Die letzte Erweiterung hat die ganze Festplatte seiner Konsole durcheinander gebracht. Spielstände sind verschwunden, bereits bezahlte Addons funktionierten nicht mehr. Auf Nachfragen per E-Mail reagierte niemand. Deshalb konnte er zwei Wochen lang nicht online spielen – bis die Entwickler den Fehler behoben hatten.
Maries Eltern sitzen inzwischen zusammen mit ihrer Tochter vor der Daddelkiste. Eine richtig luxuriöse Pferdezucht hat sich die Kleine da mittlerweile zusammengebastelt und ihre Eltern staunen nicht schlecht, als sie sehen, was in dem Spiel alles möglich ist. Am Anfang waren da viel weniger Pferde, erzählt Marie ihnen, und der Stall war auch noch viel kleiner. Ihre Eltern studieren den Reiterhof ganz genau. Langsam dämmert ihnen, warum das Spiel im Laden so günstig war. Sie wollen nicht wahrhaben, dass so etwas überhaupt berechtigt ist verkauft zu werden: an dem Spiel ist gar nichts dran. Es liefert nur ein wackeliges Grundgerüst, das darauf ausgelegt ist, übers Internet erweitert zu werden. Gegen Geld, versteht sich. Im Prinzip stand da ein völlig unfertiges Spiel im Regal.
Sie fahren zum Händler, bei dem sie das Spiel gekauft haben und konfrontieren ihn mit ihrer Erkenntnis. Achselzuckend entgegnet er: „Tut mir leid, aber so ist das nun mal heute. Die großen Firmen haben gemerkt, dass sich so mehr Geld verdienen lässt. Daran kann ich nichts ändern.“ Zurückgeben wollen Maries Eltern das Spiel auch nicht mehr. Sie wenden sich enttäuscht von dem Verkäufer ab und fahren nach Hause. Dort angekommen, kappen sie als erstes die Internetverbindung zur Konsole.
Tom lädt sich gerade ein neues Update für seinen Lieblings-Shooter herunter. Er braucht es. Weil die anderen es auch haben. Und wenn er es nicht hat, können sie nicht mehr zusammen spielen. Weil ihm die neuen Dateien fehlen und er nicht die aktuelle Version installiert hat. Würde er nur alleine spielen, wäre das kein Problem. Aber im Internet ist es eins. Er tröstet sich damit, dass es so wenigstens nie langweilig wird. Das sei das Gute an diesen Zusatzinhalten, meint er. Und eigentlich könne er ja selbst entscheiden, ob er sie kauft oder nicht. Eigentlich.
Um auf die Überschrift zurückzukommen: Download-Content halte ich durchaus für eine viel versprechende Möglichkeit für Entwickler und Publisher, einen Titel lange interessant zu halten. Spiele könnten sogar im Grundpreis günstiger werden. Die Konsequenz müsste sein, dass mehr Leute zugreifen. Zu Hause probieren sie das Spiel aus. Gefällt es ihnen, laden sie Zusatzinhalte herunter und verlängern somit die Spieldauer. Sagt es ihnen nicht zu, haben sie wenigstens nicht gleich 60 Euro in den Sand gesetzt.
Aber für den Spieler ergeben sich dadurch auch einige Risiken. Zusätzliche Kostüme hier und neue Level dort führen schnell dazu, dass er mehr Geld ausgibt, als es bisher üblich war. Umfangreiche Download-Pakete schlagen schon heute mit bis zu 10 Euro zu Buche – auf Dauer ist das kein Schnäppchenpreis. Spielefirmen werden durch die Möglichkeiten der Patches und Updates regelrecht dazu verleitet, ihre Titel unfertig in den Handel zu bringen. „Ob fertig oder nicht, egal, Hauptsache wir sind rechtzeitig draußen. Nachbessern können wir immer noch!“ Was früher ein Beta-Test war, ist heute die erste Verkaufsphase. Teilweise verursachen die herunterladbaren Inhalte dann sogar schwerwiegende Probleme (zum Beispiel The Pitt zu Fallout 3). Diese Entwicklung ist schade. Darum stehe ich auch dem Download-Content skeptisch gegenüber.
Wie seht ihr das? Ist Download-Content eurer Meinung nach eine gute Chance oder doch eher Abzocke?
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